Wo warst du als…

11 09 2009

“Wo warst du am 11. September 2001?” ist eine der Fragen, wie sie jede Generation hat.

“Wo warst du als Kennedy erschossen wurde?”
“Wo warst du als die Mauer fiel?” usw

Ich weiß noch ganz genau, was ich gemacht habe, wo ich war und was ich empfand.

Am Morgen des 11. 09.2001 stand ich wie gewöhnlich auf..schon seit 1,5 Wochen lebte ich bei meiner Gastfamilie in einem kleinen Nest zwischen Baltimore und Washington, D.C. 2 Wochen zuvor landete ich in New York City..verbrachte dort ein paar Tage (AuPair-Seminare, Sightseeing, was man halt so macht).

Der 11.09. war ein wunderschöner Tag..strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke zu sehen..herrlich. Max  (mein AuPairKind) und ich standen am Fenster, sahen auf den Severn River und sagten beide: “Das wird heut ein wunderschöner Tag”. Ich brachte Max zur Schule, fuhr zurück und setzte mich mit nem großen Kaffee auf die Wiese und las. Wirklich..das habe ich gemacht und auch als in NY das Chaos ausbrach und alle Welt geschockt die Bilder sah, lag ich in der Sonne und fühle mich wahnsinnig wohl, dachte an das kommende Jahr und was für ein Glück ich doch hatte.

Gegen 12 Uhr rief meine Gastmutter an und sagte nur: “Ich glaub, du musst Max abholen” – “Hm? ok..warum?” – “Du weißt es noch nicht? Mach den Fernseher an! In 5min ruf ich dich nochmal an!”

Gut, Fernseher an – und das war’s. Ich stand fassungslos im Wohnzimmer, konnte mich nicht bewegen und sah, was so viele andere an diesem Tag auch sahen.

Natürlich holte ich Max aus der Schule..wir gingen zum Auto und dieser kleine, ziemlich schlaue, 8jähre Junge fragte mich mit ernstem Gesicht: “Ist das der Anfang vom 3. Weltkrieg?” – Ich denke mir das nicht aus..das war seine erste Frage. Was antwortet man darauf? Wenn man selbst total verheult ist und plötzlich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist? Wenn man 2 Wochen zuvor mit großen Hoffnungen und Zielen in ein fremdes Land kam und sich gerade erst zurecht fand? Was antwortet man einem kleinen Kind? Ich hielt es mit der Wahrheit: Ich weiß es nicht.

Zurück im Haus warteten wir auf den Rest der Familie, dh der Fernsehr blieb aus. Ich versuchte mein Bestes um Max und mich abzulenken.

Das klappte

-bis Julia (Max’ Schwester, damals 16) aus der Schule kam und erzählte, dass Eltern ihrer Freunde im Pentagon arbeiten

- bis mein Gastvater kam und den Fernseher anschaltete und laufen ließ

- bis wir alle, immer mal wieder weinend und Angst habend, auf dem Sofa saßen und warteten..worauf? das weiß ich bis heute nicht..

Es ist – auch 8 Jahre später – immer wieder eigenartig die Twin Tower zu sehen. Ich kann mir bis heute keine Filme angucken, die damit zu tun haben..Dokumentationen habe ich aber mehr als eine gesehen.

Eigenartig ist auch, dass ich damals in NY mit einem schwarz/weiß-Film (hey..damals gab es noch keine wirklichen Digitalkameras) fotografierte..ich habe also Bilder der Twin Towers in Schwarz/Weiß

Wo warst du am 11. September 2001?








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